Wie funktionieren Internet-Sperren? Wie kann man Internet-Sperren umgehen? Warum ist das aktuelle Gesetz mit Internet-Sperren unnütz und gefährlich?
Wie funktionieren Internet-Sperren?
Angenommen, du möchtest mit deinem Browser (Browser ist das Teil, von dem einige unserer regierenden Politiker sagen "Browser? Was war noch mal ein Browser?") auf die Seite www.google.de gehen. Das Internet ist nun so organisiert, daß alle Rechner im Netz eine IP-Adresse haben, die z.B. 212.25.56.87 heißen könnte. Prinzipiell hat also jede Seite im WWW so eine Nummer. Weil sich das aber kein Mensch merken könnte, gibt man eben im Browser www.google.de oder eine andere Webseite ein. Es gibt dann wiederum Rechner, die nachschauen, welche Nummer (IP-Adresse) denn www.google.de hat und diese zurück geben. Diese Systeme nennt man DNS-Server. Wenn du einen Internet-Zugang von einem Provider hast, wird dir normalerweise ein DNS-Server genannt, den du bei deinen Internet-Einstellungen eintragen kannst.
Den DNS-Server kannst du dir also wie ein Telefonbuch vorstellen, jeder Provider hat also sein eigenes Telefonbuch, das aus Adressen wie www.google.de eine IP-Adresse macht. Mit den Internet-Sperren sollen nun Provider verpflichtet werden, beispielsweise beim Namen www.google.de nicht die richtige Nummer zurückzugeben, sondern die Nummer der Web-Seite, die dann dieses Stopp-Schild enthalten soll. Der Browser zeigt dann also nicht mehr die eigentliche Seite an, sondern wird auf die Seite mit dem Stopp-Schild umgeleitet. Das ist die Idee, die unsere jetzigen Politiker haben, um uns vor "nicht erwünschten Inhalten" zu "schützen".
Wie kann man Internet-Sperren umgehen?
Wie aus den obigen Ausführungen vielleicht schon ersichtlich, kann man Internet-Sperren umgehen, indem man halt einfach nicht den DNS-Server (das Telefonbuch) des eigenen Providers in die Internet-Einstellungen einträgt, sondern einen beliebigen anderen. Prinzipiell kann man nämlich jeden beliebigen DNS-Server verwenden, von denen es auf der ganzen Welt wahrscheinlich zehn- oder hunderttausende gibt. Das ist völlig legal und total einfach. Statt des Telefonbuchs von Kabel-Deutschland benutzt man dann halt das Telefonbuch des Providers XYZ.com der keine falschen Nummern zurückliefert. Eine erhebliche kriminelle Energie, wie sich das einige Politiker vorstellen ist dazu wirklich nicht nötig. Und ich betone noch mal, es ist völlig legal, andere DNS-Server zu verwenden, als den des eigenen Providers.
Eine weitere Möglichkeit ist auch, einfach direkt die IP-Adresse der Seite im Browser einzugeben: Wenn man die IP-Adresse einer Seite kennt kann man auch nach z.B. http://192.34.55.2 gehen. Ein DNS-Server wird dann überhaupt nicht mehr benötigt, weil man ja schon direkt die richtige IP-Adresse der Seite eingegeben hat.
Warum ist das aktuelle Gesetz mit Internet-Sperren unnütz und gefährlich?
Du fragst dich jetzt sicher "Ja, warum machen die das dann, wenn man es doch so einfach umgehen kann?". Ja, das fragen sich viele, die sich auch nur ein bißchen mit dem technischen Hintergrund des Internets auskennen. Es wird ja momentan damit argumentiert, daß man damit Kinderporno-Seiten sperren möchte. Angenommen, man hat wirklich so eine Seite, warum dann ein Stopp-Schild davor machen, wenn man auch gleich den Server dichtmachen kann, so er illegale Inhalte enthält. Es gibt wohl kein Land auf dieser Erde, in dem Kinderpornografphie legal wäre (auch wenn Frau von der Leyen unwissentlich oder wissentlich andere Tatsachen behauptet). Beispielsweise werden Phishing-Seiten die darauf aus sind deine TAN-Nummern für Online-Banking einzusammeln innerhalb weniger Stunden dichtgemacht, sobald sie entdeckt werden. Es kann mir doch niemand erzählen, daß das bei Kinderpornographie-Seiten nicht auch möglich sein soll. Außerdem: es gibt auf den Sperrlisten anderer Länder sogar Server, die in Deutschland beheimatet sind. Warum kann man angeblich nicht mal gegen diese Server im eigenen Land vorgehen? Das verstehst du nicht? Ich auch nicht.
Ich glaube, viele unserer Politiker sind wirklich so naiv und glauben, daß man mit solchen Sperren Kinderpornographie eindämmen kann. In Wirklichkeit wird damit aber das Grundgerüst aufgebaut, um in Zukunft beliebige mißliebige Seiten zu sperren. Beispielsweise könnten dann mal Seiten, die sich kritisch mit G8-Gipfeln oder so beschäftigen und zu Demonstrationen aufrufen, nicht mehr erreichbar sein. Der ahnungslose Internet-Surfer meint dann halt, es gibt diese Seite nicht, oder sie ist aus technischen Gründen nicht erreichbar. Und das ist halt nicht der Sinn des freien Zugangs zu Information in einem demokratischen Land. Es soll ja auch so sein, daß diese Sperrlisten geheim sein sollen. Man kann also überhaupt nicht nachvollziehen, welches "unerwünschte" Seiten sind.
Zum Thema Kinderpornographie-Seiten: Ich bin nun seit ca. 1992 im WWW unterwegs und bin noch nie unbeabsichtigt auf derartige Seiten gekommen. Aber genau das ist das Argument der Befürworter von Internet-Sperren. Sie sagen daß man Surfer vor derartigen Seiten schützen müsse um den Anfängen zu wehren. Aber es passiert einfach nicht (zumindest mir nicht), daß man zufällig auf derartige Seiten stößt. Wenn schon, dann müßte man gezielt danach suchen - aber wer so etwas macht, läßt sich wahrscheinlich auch von so popeligen DNS-Sperren nicht aufhalten.
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vor 6 Monaten

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